Das BioLab
Es ist fast so, als beträte man ein UFO. Man steigt ein paar Stufen einer stählernen Treppe hinauf, eine glä- serne Schiebetüre teilt sich wie von selbst und schließt sich lautlos hinter dem Eintretenden. Im klimatisierten Innenraum wandert der Blick über merkwürdige Geräte, die nur vage an Vertrautes erinnern: eine Tisch-zentrifuge, die aussieht wie ein Fahrradhelm, ein Fermenter der äußerlich einer Kaffeemaschine gleicht, ein Wasserbad, das an eine Friteuse erinnert.
Doch statt von grünen Aliens wird man von jungen Wissenschaftlern empfangen. Das Fahrzeug ist ja auch kein außerirdisches Raumschiff, sondern ein Truck, der zum topmodernen Genlabor umgebaut wurde.
„BioLab Baden-Württemberg on Tour – Forschung Leben, Zukunft“ ist eine Initiative der Landesstiftung Baden-Württemberg und wird unterstützt von den Chemieverbänden. Seit April 2003 ist sie von Schule zu Schule unterwegs und informiert landesweit über den aktuellen Forschungsstand der Gentechnik und der Biotechnologie. Immer mit an Bord sind zwei der drei promovierten Biologen, die das Projekt betreuen.
Lokaltermin am 04.10.2006 in Hohenburg: Eine Gruppe Zehntklässlerinnen hat sich dank weißer Kittel, grüner und blauer Gummihandschuhe und Schutzbrillen zumindest äußerlich in Laborpersonal verwandelt. Unter
Anleitung von Frau Beate Mannschreck und Herrn Andreas Fehrenbacher dürfen sich die Schülerinnen selbst als Forscherinnen betätigen.
Mit offenen Mündern entnehmen sie einander mit Wattestäbchen Speichel, um aus den darin enthaltenen Mundschleimhautzellen die Desoxyribonukleinsäure (DNA) zu isolieren. Nach 30 Minuten werden sie in einer wässrigen Lösung ihre eigene Erbinformation in Händen halten. Der Weg dorthin ist alles andere als Routine. Allein die Pipetten, mit denen die Schülerinnen arbeiten, sind Präzisionsgeräte, die maximal einen Milliliter Flüssigkeit fassen. Das erfordert eine gewisse Übung. Aufbauend auf der Gel-Elektrophorese soll anhand eines vorgegebenen DNA-Profils der Täter in einem fiktiven Kriminalfall ermittelt und der Tathergang rekonstruiert werden. So wird der Anwendungsbezug dieses Verfahrens für die Kriminaltechnik erläutert. Die Mädchen erhalten jedoch nicht nur viele Informationen über die Vorteile der Gentechnik und der Biotechnologie, sondern auch über deren Gefahren und Risiken.
Wissen aus dem Unterricht lässt sich durch den Besuch des BioLabs vertiefen und praktisch anwenden. Gleichzeitig weckt das Experimentieren die Neugier der Jugendlichen und eventuell das Interesse an einer späteren beruflichen Tätigkeit in diesem Bereich.
Monika Deller